Review

STONE SOUR

Support: FLYLEAF

24.10.2006 - Wiesbaden, Schlachthof

Der Schlachthof in Wiesbaden ist und bleibt meine Lieblings-Location. Verkehrsgünstig zu erreichen (der Bahnhof ist nur einen Steinwurf entfernt!) und stressfreies Parken auf dem großen Gelände rund um die Venue ist garantiert. Und die nette Kneipe mit kleiner Speisekarte zu zivilen Preisen lädt zur frühen Anreise an.

Den musikalischen Auftakt an diesem Dienstagabend machen FLYLEAF aus Texas. Bei dem ‚female-fronted Quintett’ bleibt das Publikum Anfangs doch ziemlich verhalten. Erst nach und nach lässt sich die Crowd von der kernigen Musik und der ultraschnelle Show der Band anstecken. Dafür sorgt in erster Linie die Saiten-Fraktion an Gitarre und vor allem Bass. Man hat zeitweise den Eindruck, dass die Jungs kaum eine Sekunde mit beiden Beinen gleichzeitig auf der Bühne stehen; sie springen und laufen unentwegt umher – herrlich, so muss das sein!

Sängerin Lacey Mosley kommt derweilen mal rockig und grungig, dann mal süß und ruhig daher. Dann explodiert sie wieder und schreit sich die Seele aus dem Leib. Gleichzeitig brettert dem Publikum druckvoller Gitarrensound entgegen. Ein bisschen erinnert mich die Stimme an die große, rockige Schwester von AVRIL LAVIGNE. Nach zehn Songs vom gleichnamigen Debüt-Album und einem neuen Stück räumen FLYLEAF das Feld. Fazit: Das Album „Flyleaf“ ist schon bestellt!

STONE SOUR steht in großen Lettern auf dem Banner am hinteren Bühnenrand.

Mit seiner zweiten Band kommt SLIPKNOT-Frontmann Corey Taylor auf der Alternative-Rock-Schiene daher und hat sein neuestes Album „Come What (Ever) May“ in der Tasche. Darauf mussten die Fans nach dem selbst betitelten Debütalbum „StoneSour“ jedoch vier lange Jahre warten, da Corey in den vergangenen Jahren mit SLIPKNOT sehr erfolgreich und dementsprechend beschäftigt unterwegs war.

In einem etwas zu groß geraten Sakko betritt Corey Taylor zunächst etwas verhalten die Bühne. Unter dem Sakko blitzt ein Spiderman-Shirt hervor und verweist schon auf den Spiderman-Soundtrack von STONE SOUR. Im ersten Moment scheint es als sei der Sänger ein bisschen schüchtern, zumindest gespannt darauf was da wohl kommen wird in Wiesbaden. Doch mit den ersten Tönen von „30/30-150“ steht er mit einem Fuß auf der Monitorbox und geht headbangend von 0 auf 100. Die Fans folgen stimmungsmäßig nach und sind gleich mit dabei.

Mit „Orchids“ schließt sich unmittelbar ein älterer Song des Debütalbums „StoneSour“ an. Alte und neue Songs wechseln sich im folgenden Verlauf fast ab. So wird ein breites Spektrum beider Alben geboten.

Bevor der nächste Song „Come What Eever May“ angestimmt wird, gibt’s erstmal dicke Schelte für die Politik von George W. Bush. Gleichzeitig spart Corey nicht mit Lob für das deutsche Publikum. Immer wieder spendiert er Wasserduschen aus der Flasche fürs aufgeheizte Publikum und verspricht hoch und heilig wieder nach Wiesbaden zu kommen. Wir nehmen ihn beim Wort!

Für (reine) SLIPKNOT-Fans, die sich ganz vereinzelt durch ihr T-Shirt als solche zu erkennen geben, mögen die melodiösen aber dennoch kraftvollen Songs, insbesondere die ruhigen Nummern „Through Glass“, „Cardiff“ und „Bother“, evtl. etwas befremdlich sein. Doch dieser Style steht dem Herrn aus Iowa/USA sehr gut. Den einstigen Spiderman-Soundtrack „Bother“ trägt Corey alleine mit Akustik-Gitarre vor. Großes Kino!

Nach zehn Songs kommt Corey zur Zugabe mit nacktem Oberkörper zurück auf die Bühne und stellt seine Tattoos und sein Brustwarzen-Piercing zur Schau. „Hell & Consequences“ und „Get Inside”, welches mit einem derben Trommelgewitter startet, bilden den Abschluss eines für beide Seiten erfolgreichen Konzerts.

Setlist:

  1. 30/30-150 (“Come What Ever May”) / Orchids (“StoneSour”)
  2. Take A Number (“StoneSour”)
  3. Reborn (“Come What Ever May”)
  4. Your God (“Come What Ever May”)
  5. Inhale (“StoneSour”) / Come What Ever (“Come What Ever May”)
  6. Bother (Spiderman-Soundtrack von „StoneSour“)
  7. Through Glass (“Come What Ever May”)
  8. Blotter (“StoneSour”)
  9. Cardieff (“Come What Ever May”)
  10. Tumult (“StoneSour”)
  11. Hell & Consequences (“Come What Ever May”)
  12. Get Inside (“StoneSour”)

(Text & Photos by: Dietmar Schäfer - 27.10.2006)

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