Review

W:O:A Metal Battle 2006

- Vorrunde Rheinland-Pfalz -

mit

FLESH DIVINE - TORMENT OF SOULS - EGE OF THORNS -
SYSTEM FAILED- ENRAGED BY BEATUY - SCARS COME CELAN

Special Guest: GORILLA MONSOON

am 18.02.2006 im JUZ Live Club Andernach

Wer kennt Europa's größtes Metal Open Air-Festival nicht? Bis zu 50.000 Besucher zählt das WACKEN OPEN AIR im Norden Deutschlands. So ist, vor allem für Nachwuchsbands, ein Auftritt in Wacken sehr begehrt. Und genau diesen kann man sich Erspielen! Aus jedem Bundesland treffen sich verschiedene Combos, um an diesem Contest teilzunehmen. Die Rheinland-Pfälzer-Entscheidung findet dieses Jahr in Andernach statt.

Den Start machen die Death Metaller FLESH DIVINE aus Trier. Mit Propellerbanging, einer netten Performance und sauber gespielten Instrumenten können die fünf sympathischen Jungs überzeugen.

Eigentlich hätten nun die Lokalmatadore RA'S DAWN die Bühne entern sollen, doch aufgrund des momentanen Studioaufenthalts musste vielleicht Koblenz' beste Metalband leider absagen. Für Ersatz ist gesorgt! TORMENT OF SOUL spielen Oldschool-Death Metal! Blutverschmiert und mit Kettensäge im Handgepäck geht's jetzt brachial zur Sache. Der Geruch von verbranntem Zweitakt-Gemisch liegt noch länger in der Luft, während das Geschehen lautstark seinen Weg bahnt. Mit "lustigen" Zwischenrufen des Gitarristen, wie etwa "Oldschool Death Metal!" oder "Scheiß die Wand an!" und den umstrittenen Ansagen Jochen Hampers dürften die Eifelaner wohl den einen oder anderen Fan aus der Grindcore-Szene dazugewonnen haben.

Mit dem klangvollen Namen EDGE OF THORNS ist nun eine weitere Band aus der Trierer und Bitburger Umgebung in den Startlöchern. Wahrlich erinnert der Name an damalige SAVATAGE-Großtaten, also ist man sehr gespannt was die Power-Metaller zu bieten haben. Endlich mal ein Sänger, sein Fach beherrschend und Töne treffend! DREAM THEATER und SYMPHONY X-Einflüsse im Gitarrenspiel sind deutlich zu erkennen. Auch weiß der Mann an der Klampfe genau was er macht - hervorragend. Songs und Strukturen bestechen in Ausreife und Arrangement. Obwohl die Band mit Aushilfsdrummer unterwegs ist, dürfte der Gewinner jetzt eigentlich schon feststehen. Oder haben die Veranstalter noch ein Ass im Ärmel?

Wohl kaum! Denn was sich jetzt abspielen soll, hat in keinster Weise was mit Metal zu tun! Nennt sich die Veranstaltung nicht METAL Battle? Sollte man den Namen besser in Metal vs. Hardcore Battle umbenennen? Für den Metalhead, ist der Abend gelaufen! Fraglich ist, weshalb Vertreter dieses Genre, welches weitab vom eigentlichen Heavy Metal existiert, in die nähere Auswahl kommen.

Die nächste Combo kommt diesmal aus der direkten Region. SYSTEM FAILED bezeichnen ihren Stil selbst als "im Groove Metal mit Comerzeinflüssen und hin und wieder abgedrehten Samples bewegend" (so die eigene Bandbeschreibung). Und genau so klingt Hardcore! Das Geschehen nimmt vor und auf der Bühne hüpfend seinen Lauf, so dass echte Metal-Freunde im Vorraum an der Theke ihren Frust ertränken müssen.

Entwarnung? Nein! ENRAGED BY BEAUTY aus Pirmasens haben das gleiche musikalische Potential wie ihr Vorgänger und Genre-Kollege zu bieten. Also kann's eigentlich nur noch metalliger werden?

SCARS COME CLEAN, die mit ENRAGED BY BEAUTY und ihren Fans eine Fahrgemeinschaft im Reisebus bildeten, kommen nun leicht ab von diesen Klängen. Mit unnötigem zweiten Sänger ist das Gekreische auf der Bühne mehr in die Grindcore- meets Metalcore-Schiene einzuordnen - sehr obskur.

Aufatmen! Der letztjährige Contest-Gewinner GORILLA MONSOON stellt seinen neuen Longplayer "Damage King" vor. Mit Totenschädel, wohlmöglich von einer Antilope stammend, am stilistischen Old-Style Mikro macht die bislang triste Optik schon was her. Etwas erschreckt verlassen nun die Hardcore-Fans die Tanzfläche und machen Platz für echte Doom-Köpfe! Endlich gehören die weiten Hallen wieder den letzten, noch nicht geflohenen Metalheadz. Während GORILLA MONSOON vor wenig, doch treuem Publikum, ihre Songs in Zeitlupe vortragen, hat die Jury Zeit ihre Wahl zu treffen.

(by: Michael Kümmet - 28.02.06)

Nach dem GORILLA MONSOON die Bühne verlassen haben, nehmen die acht Jury-Mitglieder sowie der Veranstalter Enno Heymann die Bühne in Beschlag und verkünden den Sieger: SYSTEM FAILED gewinnt knapp vor EDGE OF THORNS. Nicht alle Besucher - wie im Allgemeinen bei Contests dieser Art üblich - sind mit dieser Entscheidung einverstanden. Der größte Kritikpunkt wird von den Metal-Jüngern insbesondere dahin gehend geübt, dass eine Hardcore-Band auf einem Metal-Contest eigentlich gar nicht hätte antreten dürfen. Ja, das Leben ist ungerecht.

Nichts desto trotz werden SYSTEM FAILED als Gewinner der Vorrunde Rheinland-Pfalz das Semi-Finale 'Süd' am 20.05.06 in Aschaffenburg (Color-Saal) bestreiten. Die Gewinner vom Semi-Finale Süd und Nord werden dann beim legendären W:O:A - Wacken Open Air - auftreten und den Sieger des Metal Battle 2006 ermitteln.

-> zur Fotoserie: SYSTEM FAILED

-> zur Fotoserie: GORILLA MONSOON

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