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MACHINE HEAD am 09.12.2007 - Wiesbaden, Schlachthof |
Wir fahren kurz vor 17 Uhr auf das Venue-Gelände. Noch ist der Truppenübungsplatz, Entschuldigung, der Parkplatz wie leer gefegt. Ein paar einzelne aufgeklappte Kofferraumdeckel kämpfen um den höchsten Lautstärkepegel und belustigen damit schon einmal die bisher angereisten Fans drumherum.
Nach unserem Interview mit Bassist Paul Romanko (SHADOWS FALL) zieht es uns kurz in das Bistro des Schlachthofs. Total gemütlich aber proppe voll ist es hier. Ob wir hier noch was zu Essen bekommen? Wenn MACHINE HEAD & Co. KG zum Tanze bitten, will man doch gut gestärkt im Circle-Pit stehen. Über lustige Bestellkärtchen und wahrem Kampfgeist auf dem Weg zwischen Tisch und Theke gelangen wir wirklich noch zu etwas Essbaren, auch Pizza genannt. Schnell schlingen, da uns nur noch knapp 15 Minuten bis zum Konzertbeginn bleiben. Wie ein Uhrwerk rasen wir nach draußen und tschakka...was für eine Mörderschlange. Der Parkplatz hat sich wohl im Minutentakt gefüllt und die Schlange gleicht einer kleinen chinesischen Mauer.
Die Mannen von SHADOWS FALL fangen pünktlich an. Ganz zum Leidwesen von uns und vielen Fans, die noch draußen stehen und das Konzert nur durch die öffene Tür hindurch sehen können. Aber das was man sieht und vor allen Dingen hört, wird einem Opener überhaupt nicht gerecht. Opener sind dafür da die Menge anzuheizen und vor allen Dingen den "Big" Bands nicht die Show zu stehlen. Was SHADOWS FALL hier aber abreißen, ist phänomal. Hier steht wirklich keiner von den Jungs auf der Bühne still. Alle Saitenschwinger bewegen sich, wenn mal nicht, dann schwingen sie zumindest ihre langen Mähnen. Sänger Brian gibt wirklich alles und zeigt seine ganze Bandbreite des Shoutings. Der Sound der von der Bühne strahlt, ist sehr ordentlich. Keine Phasenüberlagerungen und man hört alles klar und deutlich. Man merkt den Jungs übrigens auch ganz stark an, dass sie wirklich Lust auf dieses Konzert haben. Man merkt, dass sie sich unbedingt neue Fans erspielen wollen, und auch müssen, wenn sie hier in Deutschland weiter Fuß fassen wollen. Daher ist es umso mehr tragisch, dass der Gig von SHADOWS FALL bereits nach 25 Minuten endet. In der Umbaupause werden die Türen im linken Flügel geöffnet, was der Luft im Schlachthof sehr zu Gute kommt. Beispielhaft verläuft die Umbaupause. In den paar Minuten die die Stagehands nur brauchen um das Bühnenbild zu verändern und die Technik der neuen Band aufzubauen, hat man selbst Zeit sich mal Merchstand der gesamten Bands umzuschauen oder den Kampf zur hoffnungslos überfüllten Theke anzutreten. Sage und schreibe 15 Minuten braucht man durchschnittlich um etwas H2O zu bekommen. Ziemlich entnervt war daraufhin der männliche Part eines Pärchens welches vor mir steht, da der weibliche Part ihn am laufenden Band zur Theke schickt (wollte sie ihn vielleicht sogar gar nicht dabei haben?? ;-)
Genauso sehen es scheinbar auch die angereisten Jünger von TRIVIUM und MACHINE HEAD, die DRAGONFORCE an vielen Stellen ausbuhen. Die Show die DRAGONFORCE spielen ist grundsolide. Der Power Metal der Jungs ist besonders schnell, aber stets melodisch. Die Texte sind stets typisch "true" und herausragend sind die feinen Gitarrensolis, die die Herren dort an den Tag legen. Eher ungewöhnlich sind die eher aus dem Deathmetal kommenden Blastbeats von Drummer Dave, kommen aber trotzdem sehr fett rüber. Es ist schade, dass man für diese Show DRAGONFORCE gewählt hat. Denn hier wird eine Band verballert, die mit Sicherheit an diesem Abend mitunter das beste spielerische Können bewiesen haben, aber aufgrund ihrer Show nicht in das Line-Up passen. Das wird der Musik von DRAGONFORCE einfach nicht gerecht. Viele witzige Einlagen bringt Sänger ZP an den Start. Aber auch das wird nicht vom Publikum gewürdigt, was ich irgendwo aufgrund des Rahmens nachvollziehen kann. Aber die Band gibt weiterhin alles und können mit hocherhobenen Haupt die Bühne verlassen.
Die Band macht derzeit eine schwierige Phase durch, nachdem Phil´s Vater am Freitag plötzlich verstarb. Gitarristen der anderen Bands wurden schnell in die Songs eingearbeitet und so kann man an diesem Abend ein wenig Solidarität spüren. Man hört die Leute im Publikum über die Situation munkeln, jeder weiß irgendwie ein bisschen, aber auch nicht alles. Nach scheinbar endloser Wartezeit geht es aber nun mit Dampf in die letzte "Mosh-Runde". Mit gewohnt hasserfüllter, rauchiger Stimme begrüßt der "singende Gitarrist" Rob Flynn die tobende Meute in Wiesbaden. Das Publikum freut sich wie ein Schneekönig. MACHINE HEAD betreiben in ihrer Show merklich ein paar Blitzlichter mehr als die anderen Bands, so dass sich der Veranstalter sicherlich schon auf die kommende Stromrechnung freuen dürfte. Aber Show kostet nun einmal Geld und die Show von MACHINE HEAD ist geil. Leider sind auch MACHINE HEAD viel zu laut, aber trotzdem sind die Klänge ein wenig klarer als bei TRIVIUM.
Da Phil zurück in die USA geflogen ist, haben seinen Platz Gitarristen der anderen teilnehmenden Bands teilgenommen, zum Beispiel auch Matt von TRIVIUM. MACHINE HEAD legen eine sehr gute Show hin aber empörend und sehr enttäuschend für die Fans ist die Tatsache, dass die Band trotz der fordernden Rufe, keine Zugabe spielte. Übrigens, keine der Bands spielte hier eine Zugabe.
Eine halbe Stunde nach Mitternacht hat der Kreuzzug in Wiesbaden sein Ende gefunden. Generell kann man für die knapp 40,00 Euronen Eintrittsgebühr ganz entspannt nach Hause gehen. Viel länger hätte das Konzert nicht gehen dürfen, da man sich doch teilweise sehr lange die Füße in den Bauch gestanden hat. Enttäuschend war allerdings manchmal der miese Sound und die fehlenden Zugaben. Anerkennung muss man MACHINE HEAD für die Improvisationsleistung zollen (natürlich auch den anderen Gitarristen), dass man so kurzfristig das Set retten konnte.
Schweißnass gehe ich nun mit leichten Kopfschmerzen nach draußen. Der Parkplatz ist nun wirklich ein Truppenübungsplatz, voller Matsch und lauter Pfützen.
(by: Manolito Röhr - 10.12.2007) -> zur Fotogalerie von MACHINE HEAD -> zur Fotogalerie von TRIVIUM -> zur Fotogalerie von DRAGONFORCE |
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