Review

KILLSWITCH ENGAGE

Support: THE HAUNTED + BRING ME THE HORIZON

27.01.2006 - Wiesbaden, Schlachthof

Sonntag Abend – mal wieder ein arbeitnehmerfreundlicher Konzert-Tag; denn am Folgetag können die Meisten ausschlafen. Dennoch werden die Tore vom Schlachthof in Wiesbaden zur Show von KILLSWITCH ENGAGE + THE HAUNTED + BRING ME THE HORIZON bereits um 18:00 Uhr geöffnet. Da irgendwie jeder in der ersten Reihe stehen will ist auch entsprechend viel los, und es dauert bis nach 19:00 Uhr – dem offiziellen Konzertbeginn - bis alle Besucher in der Halle sind. Diejenigen, die sich keine Karte im Vorverkauf gesichert haben, können wieder nach Hause gehen oder sich beim Schwarzmarkthändler ihres Vertrauens bedienen. Denn das Konzert ist dank KILLSWITCH ENGAGE restlos ausverkauft.

Den Auftakt machen gegen 19:00 Uhr die jungen Wilden von BRING ME THE HORIZON aus Groß Britanien. Irgendwie alle mit Einheitsfrisur gestylt, schmettert die Band ihren emo-lastigen Metalcore in preisverdächtiger Poser-Manier der Menge entgegen. Bereits nach kurzer Zeit startet der erste Pit. Nach einer halben Stunde ist der Zauber vorüber.

Ein bisschen länger dürfen THE HAUNTED für Unterhaltung sorgen. Mit den Schweden wird es auch deutlich melodischer auf der Bühne. Peter Dolving schreit sich dennoch mächtig die Seele aus dem Leib, ohne dabei aber ein gewisses Maß an Melodie außen vor zu lassen. Die Stimmung steigt. Ein paar Typen aus dem Publikum schaffen den unentdeckten Sprung auf die Bühne, sagen den Jungs von THE HAUNTED schnell "Hallo"’ und verabschieden sich mit einem großen Sprung in Stage-Diver-Manier über die Köpfe der Security hinweg zurück in die Menge. Die ersten Besucher können nach dem THE HAUNTED-Gig schon ihr T-Shirt wechseln gehen.

Bereits kurz vor 21:00 Uhr gehen KILLSWITCH ENGAGE als Headliner auf die Bühne. Gleich mit dem ersten Song „A Bit Farewell“ geht die Menge ab. Der Publikums-Chor übertrifft die Stimme von Sänger Howard Jones bei den Refrains. Es ist, als ob nur noch ein Funke zum Zünden gefehlt hat. Nichts ist zu spüren von abwartender Enthaltsamkeit, oder langsames Warmschunkeln. 100 % von Anfang an!

Leider muss die Truppe auf Gitarero, Produzent und Spaßnudel Adam D. ( Dutkiwicz) verzichten. Dieser musste die laufende Tour mir einer schweren Rückverletzung, die ihn erneut eingeholt hat, unterbrechen. An seiner Stelle zupft Peter (Pete) Wichers (ehemals Gründungsmitglied von SOILWORK und nun als Produzent unterwegs) die Saiten. Diesem fehlen doch leider das Charisma und die Sympathiepunkte eines Adam D. So spielt er mehr oder weniger nur eine Statistenrolle und Lückenbüßer.

Als gut gelaunter Entertainer erweist sich Sänger und Frontmann Howard Jones, der auch zwischen den Songs immer wieder auf das Publikum eingeht. Aber man ist ja nicht auf ein Schwätzchen hier vorbeigekommen. Mit ihrem Mix aus Hard- und Metalcore sowie Melodic Death-Einlagen werden brachiale und brutale Beats aus der Boxenwand geblasen, die auch hin und wieder mit diversen Melodiebögen gespickt sind. Immer wieder prasseln Riffattacken in die Menge. Für Stimmung sorgen u. a. „My Last Serenade“, „The End of Heartache“, „When Daylight Dies“, „Unbroken“, „My Curse“. Zum Schluss hat die Security im Graben mal wieder alle Hände voll zu tun. Unaufhörlich purzeln hier die Crowd-Surfer hinein.

Mächtig enttäuscht waren die Fans jedoch, dass die ganze Show nach rund einer Stunde inkl. einer kurzen Zugabe schon vorüber ist. Da haben doch viele deutlich mehr erwartet.

(Text + Photos by: Dietmar Schäfer)

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