Wie schon die Jahre zuvor präsentiert das Andernacher Jugendzentrum ein kleines aber feines Open Air. Dieses mal gibt’s ausschließlich Formationen der härteren Fraktion zu erleben: Die One-And-Only-Metalqueen Doro Pesch ist am Start. Mit RAGE und GRAVE DIGGER hat man zwei weitere beliebte Liveacts eingeladen. Außerdem geben sich zwei hochkarätige Newcomer, die Heimvorteil genießen, die Ehre.
Schon kurz nach dem offiziellen Einlass ist das Gelände hinter der Halle gut besucht. Obwohl reichlich Parkmöglichkeiten vorhanden sind, muss der eine oder andere Gast einen kurzen Fußweg absolvieren. Das Wetter ist jedoch gut, so stört dies Niemanden. Wie schon letztes Jahr ist ein Securitydienst für die Sicherheit zuständig. Hier trägt man allerdings ein wenig zu dick auf. Nieten- oder Patronengürtel, Utensilien, die zweifelsohne und traditionell zu Heavy Metal gehören, dürfen nicht mit rein. Selbst Gürtel mit gerade mal fünf Millimetern hohen abgerundeten Kegelnieten, die offenkundig zur Sicherung des Beinkleides von Nöten sind, müssen draußen bleiben. Da werden paradoxe Tipps von den Sicherheitsangestellten, den Gürtel mit gefährlichen Spitzen nach innen anzuziehen, gerne angenommen. Entwaffnet oder entschärft kommt so nach und nach jeder rein.
Das kleine Areal ist übersichtlich. Die Getränke- und Essenstände sind gut erreichbar. Der Preis von 2 Euro für ein Bier ist sehr fair. Man verzichtet auf mobile Sanitäreinrichtung, denn in der Halle selbst sind gepflegte Örtlichkeiten vorhanden.
Los geht’s mit RA’S DAWN aus Koblenz! JuZ-Erfahrungen konnte man als Support von W.A.S.P. oder THRESHOLD schon reichlich und erfolgreich sammeln. Zwar ist die Playlist heute kurz, doch der eine oder andere Fan wird sicherlich aufmerksam auf die Jungs, die sich dem progressiven Powermetal und der ägyptischen Mythologie verschrieben haben, denn die Performance, welche geboten wird, kann sich durchaus auch in höheren Ligen sehen lassen. Jedoch befindet man sich gelegentlich auch auf Abwegen und behandelt thematisch mit „The Masque Of The Red Death“ Edgar Allen Poe oder mit dem melodischen „Flame Of War“ den Schottenkonflikt. Die bei letztem genannten Song üblichen Mitsingspielchen bleiben wohl aufgrund der begrenzten Spieldauer aus. Was mir persönlich diesen Gig besser als manch anderer gefallen lässt. Zur guter Letzt wird noch ein wahrlicher Klassiker auf das mittlerweile gut angeheizte Publikum losgelassen. Ok, dieses Stück von PRETTY MAIDS, das passenderweise METAL INQUISITOR-Sänger El Rojo gewidmet wird, ist den Jüngeren unter uns wahrscheinlich weniger bekannt, doch rocken tut’s gewaltig! Geiler Gig!
Die zweite Koblenzer Band im Bunde ist METAL INQUISITOR! Los geht’s mit „Take Revenge“, dem Opener des hervorragenden Erstlingswerkes „The Apparition“. In chronologischer Folge geht’s mit „Zombie Drivers“ weiter. Wer die Inquisitoren während des RockHard-Festivals an Pfingsten gesehen hat, weiß, dass die Jungs immer für eine gute Metalparty zu haben sind, so auch hier in Andernach. Allerdings ist dieser Gig mit ein paar Pannen gesegnet. Erst reißen die Gitarrensaiten, dann fällt regelmäßig, über die gesamte Spielzeit dauernd, immer wieder mal die PA aus. Redegewandt, wie Frontmann El Rojo ist, kann er während diesen Pausen das Publikum dennoch gut unterhalten. So nimmt man diese kleinen Aussetzer gelassen und hofft auf schnelle Behebung des elektrischen Problems. Zwischendurch wird natürlich gerockt, was das Zeug hält. Es steht leider nur eine gute halbe Stunde zur Verfügung, eigentlich viel zu wenig für eine Formation mit diesen außerordentlichen Livequalitäten. Doch für eine kleine Zugabe hat man immer Zeit, so gibt man, wie auch schon beim RHOA, das relativ unbekannte Stück „R.I.F.“ zum Besten.
Kein Heimspiel hingegeben haben FREEDOM CALL aus dem schönen Frankenland. Das PA-Problem ist mittlerweile behoben, so können die Nürnberger Powermetaller um Sänger Chris Bay und Drummer Dan Zimmermann entspannt durchstarten. Zweiterer dürfte durch Aktivitäten bei GAMMA RAY und IRON SAVIOR kein Unbekannter in der Szene sein. Durch regelmäßige Liveaktivitäten bei Coverband LANZER, bei welcher aktuelle und ehemalige Mitglieder von FREEDOM CALL tätig sind, ist reichlich Routine während den zahlreichen Shows eingekehrt. So haben die vier Frankenmetaller schnell das Publikum im Griff und präsentieren eine kleine Auswahl ihrer fünf Studioalben.
Das instrumentale „The Brave“ und die Hymne „Rebellion“ dürften, seit dem Meilenstein „Tunes Of War“, Markenzeichen von GRAVE DIGGER sein. So leitet auch diesen Gig das erstgenannte Intro ein. Hier ist mal wieder alles vorausschaubar. Wahrscheinlich hat man Chris Boltendahl und seine Jungs schon zu oft gesehen. Die Setlist ist bis auf die Reihenfolge und einem Stück mit der des RockHard-Festivals identisch. Viel Mühe hat man sich also mit der Songauswahl nicht gegeben. Mit „Headbanging Man“ holt man sogar noch ein Stück Tradition aus der Playlist, die bis auf Standard-Zugabe „Heavy Metal Breakdown“ kein Track vor 1996 enthält. Schade, denn diese Band existiert schon gut zehn Jahre länger und kann ein paar Speedmetalknaller aus dieser Zeit vorweisen. Fans der frühen Stunde fühlen sich somit durchaus und zu Recht betrogen. Ok, die neueren Stücke sind auch nicht schlecht, doch der gewisse Charme des klassischen Heavy Metals fehlt hier schon. Man sollte eine gesunde Mischung aus alt und neu für ein ausgewogenes Set wählen. Ansonsten ist die Performance der Gladbecker professionell wie eh und je. Vor allem Drummer Stefan Arnold versteht sein Handwerk ausgesprochen gut, dem die anderen Instrumentalisten in keiner Weise nachstehen. Auch positiv zu vermerken wäre, dass Keyboarder Hans Peter Katzenburg, wie schon beim Rock Hard-Festival, auf sein albernes Karnevalskostüm verzichtet.
Durfte Mike Terrana sein ewig gleiches und langweiliges Schlagzeugsolo nicht mehr spielen? RAGE sind mit neuem Schlagzeuger unterwegs. Also bleibt mehr Zeit für eigentliche Lieder! Der neue Drummer ist kein geringerer als André Hilgers (AXXIS, EMPIRE, SILENT FORCE usw.), so dürfte auch das spätere kompliziertere Zeug kein Hindernis heute Abend darstellen. Schade aber, dass das geniale Instrumental „Unity“ nicht gespielt wurde. Hingegen kommen einige andere coole Metalhits zum Einsatz. „War Of Worlds“, „Black In Mind“ oder „Down“ sind da so einige. Dennoch ist die Songauswahl nicht ganz ausgewogen. Man hat etliche gute Stücke auf sechzehn regulären Fulltime-Alben im Repertoire. So beschränkt man sich auf lediglich sechs Scheiben, wobei die älteren und sogar das aktuelle Werk „Speak Of The Dead“ außen vor bleiben. Persönlich hätte ich mir mal wieder was von „The Missing Link“ oder „Secrets In A Weird World“ gewünscht, doch was nicht ist, das ist nicht. Stattdessen ist alles wie immer: „Higher Than The Sky“ wird mit den ewig gleichen Mitsingspielchen geträllert. „Straight To Hell“, der Soundtrack zu „Der Schuh des Manitou“ muss natürlich auch dabei sein und „Don’t Fear The Winter“ kommt ganz zum Schluss
, allerdings zur freudigen Überraschung mit tatkräftiger Unterstützung von Manni Schmidt (GRAVE DIGGER), der damals noch bei RAGE aktiv war.
Ich mag RAGE wirklich und ziehe den Hut vor Peavey’s und vor allem Victor Smolski’s außerordentlichen Talenten. Der Weißrusse hat diesmal wieder alles in Grund und Boden gespielt!!! Sogar bin ich stolzer Besitzer des Original-„Reign Of Fear“-Vinyls, doch ein wenig Abwechslung würde dieser Band, welche sich in gut zwanzig Jahren von der Thrashmetal-Combo schon fast zur Progmetal-Elite hochgespielt hat, verdammt gut tun.
Der Höhepunkt dieses Abends ist zweifelsohne der Auftritt von Metalqueen DORO Pesch. Einzig alleine sie verleugnet ihre Wurzeln nicht und zockt jede Menge WARLOCK-Stücke aus den Achtzigern. Wie „I Rule The Ruins“, „Burning The Witches“ oder „True As Steel“ hat guter alter Heavy Metal zu klingen. Gleich zu Beginn sucht Doro den Kontakt zum Publikum. Ihre Ansagen kommen zwar routiniert, doch auch sehr sympathisch rüber. Die Menge rockt, bislang konnte heute keine Band einen solchen Andrang verzeichnen. Während der ersten Showhälfte kommen die Solo-Stücke merklich zu kurz, was allerdings der Stimmung keinen Abbruch tut. Geile Metal-Klassiker, wie auch die ergreifende Ballade „Für Immer“ werden zelebriert. Bevor mit dem Hit „All We Are“, das Konzert ausklingen soll, gibt’s noch das langweilge lahme Remake des ausgelutschten JUDAS PRIEST-Stückes „Breaking The Law“ auf die Lauscher. Jetzt wird’s Zeit für eine kleine Verschnaufpause bis eine fast halbstündige Zugabe präsentiert wird. Auch diese kann sich soundtechnisch hören lassen: „East Meets West“, „Fight“, „Love Me In Black“ oder „Fight For Rock“ sind hier als Eckdaten zu nennen. Und übrigens Doro ist noch so hübsch wie damals bei WARLOCK!
(Text by: Michael Kümmet, Photos by: Dietmar Schäfer - 30.08.07)
Die einzelnen Fotogalerien findet ihr hier: RAS'S DAWN · METAL INQUISITOR · FREEDOM CALL · GRAVE DIGGER · RAGE · DORO
Setlist RA’S DAWN:
Terrified
In Oceans Of Lies
The Masque Of The Red Death
Forever
Flame Of War
Red, Hot And Heavy (PRETTY MAIDS-Cover, 1984)
Setlist METAL INQUISITOR:
Take Revenge
Zombie Drivers
Logan’s Run
Persuader (neuer Song)
Daze Of Avalon
M4 A1
Doomsday For The Heretic
Restricted Agony
Resistance Is Futile - R.I.F
Setlist FREEDOM CALL:
Warriors
Hunting High And Low
United Alliance
Metal Invasion
Blackened Sun
Mr. Evil
Land Of Light
Freedom Call
Setlist GRAVE DIGGER:
Intro: The Brave
Liberty Of Death (mit Intro)
Knight Of The Cross
The Grave Dancer
The Dark Of The Sun
Excalibur
Grave In The No Man’s Land
Silent Revolution
The Last Supper
Morgane Le Fay
Scotland United
Valhalla
The Grave Digger
Rebellion (The Clans Are Marching)
Heavy Metal Breakdown
Setlist RAGE:
Great Old Ones
Paint The Devil On The Wall
Black In Mind
Down
Suite L.M.
War Of Worlds
Higher Than The Sky
Straight To Hell
Don’t Fear The Winter
Setlist DORO: (WARLOCK-Stücke sind schräggestellt)
Earthshaker Rock
I Rule The Ruins
You’re My Family
Burning The Witches
True As Steel
Above The Ashes
Hellbound
Hellraiser
Metal Racer
Drum-Solo
Für Immer
Burn It Up
Breaking The Law (JUDAS PRIEST-Cover)
All We Are
Warrior Soul
East Meets West
Fight
Love Me In Black
Unholy Love
Haunted Heart
Fight For Rock
|