Zum zweiten Mal bin ich also jetzt auf einem ANATHEMA Konzert. Diesmal, so dachte ich irrtümlicher Weise, auf einem Akustik Konzert, da ANATHEMA ja gerade ihr Semi-Akustik Album „Hindsight“ veröffentlicht haben. Doch es wurde ein „normales“ Konzert, was mich eigentlich noch mehr freute. Der Preis von 20 Euro im Vorverkauf blieb im Rahmen, ebenso die Getränkepreise (3 Euro für 0,4 Bier) und die Preise fürs Merchandising (T-Shirts für 15 Euro). Alles Preise, wie man sie heutzutage überall sieht und deswegen kaum als überzogen, sondern eher als moderat bezeichnen würde. Der Colos-Saal an sich ist für mich immer ein schöner Veranstaltungsort, zu dem ich ein paar Mal im Jahr pilgere. Jeden Monat fährt man ein sehr abwechslungsreiches Programm auf, das auch immer einige Kapellen aus dem härteren Sektor oder auch aus dem Gothic/Mittelalter-Bereich, aber ebenso auch normale Rock, Blues, Soul oder Cover-Gruppen bereit hält. Für jeden Geschmack also etwas dabei. Sehr löblich auch das Kartenvorbestell-System. Einfach online reservieren und diese Reservierung bis eine halbe Stunde vor Beginn mitbringen und schon hat man an der eigentlichen Abendkasse sein Ticket zum Vorverkaufspreis. Bevor es um 20 Uhr dann mit der Vorgruppe DEMIANS aus Frankreich losgeht wird man über eine Videowall über das kommende Programm des Colos-Saal informiert, über die Ausschnitte aus DVD’s der div. Künstlern gezeigt werden. Sicherlich nicht der Musikgeschmack den das Publikum an dem Abend trifft, aber eine bessere Zeitüberbrückung als die üblichen leise gespielten Rocksongs. DEMIANS legen sogleich mit einer Mischung aus Prog-Rock und Alternativ-Metal los. Der Sound ist wie eigentlich immer optimal im Colos-Saal und ordentlich laut. Heute erträglich, war dieser aber auch ab und zu für mich schon zu laut (U.D.O.) wobei ich erwähnen muss, dass ich nie Ohrstöpsel trage. DEMIANS erinnern mich mit ihren eigentlich immer positiven Melodien teilweise an JESU, die neue Band von GODFLESH’s Justin Boradrick. Der Sänger der DEMIANS informiert dass dieses ihr erstes Deutschland Konzert sei und widmet, als Dank, dass sie hier spielen dürfen, ihren dritten Song ANATHEMA. Das Publikum, sehr verstreut über die ganze Halle, gibt am Anfang noch eher einen Standard Höflichkeitsapplaus, jedoch sieht man im Laufe des Sets nach 40min. immer mehr wippende Köpfe und der Abschiedsapplaus ist definitiv mehr als nur reine Formsache. Sicherlich haben DEMIANS mit diesem Auftritt ein paar neue Fans gewonnen und auch stilistisch waren sie ein passender Opener für die doch sehr eigenwilligen ANATHEMA. Eine Umbaupause von knapp einer halben Stunde und ANATHEMA legen um 21:15 los mit ihrem Set. Verwundert lausche ich den ersten harten Klängen und merke, dass ich mich nicht auf einem Akustik Konzert befinde. Gut so. Doch habe ich den Song noch nie gehört und gehe daher mal davon aus, dass es sich um einen neuen Song des noch kommenden Albums handelt. Es folgt der Song „Closer“ vom „A Natural Disaster“ Album mit elektronisch verzerrtem Gesang und man merkt, dass diese Lieder, die sich vom langsam atmosphärisch melodischen Spiel zu einer immer fetteren Soundwand bis hin zu energiegeladenen ja fast schon aggressiven Tönen entladen, live noch um ein vielfaches besser wirken als auf CD. Es folgt „Far Away“ und der ebenfalls neue Song „Angels Walk Among Us“ während vor dem linken Boxenturm ein Pärchen wild herumknutscht, denen es anscheinend auch nicht zu laut ist. Nachdem noch ein neuer Song gespielt wird, der aber namentlich nicht vorgestellt wird (wie so viele Songs und mich bis Nachts mit meiner Recherche noch vorm Rechner jede einzelne CD von ANATHEMA im Schnelldurchlauf durchhören lassen) greift Vincent Cavanagh zur Akustikgitarre und versucht vergeblich diese zu stimmen. Eher mit humoristischen Flüchen gibt er diese seinem Roadie und startet das Lied zuerstmal nur durch die elektrische Gitarre von seinem Bruder Dan begleitet, bevor er seine gestimmte Gitarre wiederbekommt. „Anyone – Anywhere“ heißt dieser Song. Bevor „Empty“ folgt versucht man ein kleines Mitsingspielchen mit einem „Ja“ und „Oomph“. Ob dies nun eine Anspielung auf die deutsch Band mit selben Namen sein soll, da man noch fragt was denn Oomph überhaupt bedeuten würde ist letztendlich auch egal, es beweißt nur das die Band sehr gut aufgelegt ist. Sie selbst bezeichnen sich nach weiteren Ausflügen dieser Art auch als „Melancholic Comedy“. Es folgen die Songs „Judgement“, das sehr schnelle „Panic“ und „A Simple Mistake“. „Lost Control“, „Regret“ und „Hope“ folgen bevor mit „Temporary Peace“ und „Flying“ die beiden letzten regulären Songs des Sets gespielt werden. Jedoch verlässt die Band nur für ca. 1 Minute die Bühne bevor Dan wieder zurückkommt und mit Akustikgitarre bewaffnet „Are You There“ anstimmt und dieses auch selber singt. Er ermahnt die Ecke, in der auch das Knutscher-Päärchen zu finden war doch etwas leiser zu sein und zeigt denen am Ende sogar noch seinen Mittelfinger, versöhnt sich aber auch am Ende des Sets wieder mit einem Lächeln und Daumen nach oben in diese Richtung. Anscheinend waren die Herrschaften dort doch etwas zu laut und der Song für Dan etwas zu emotional. Jedenfalls singt er ihn aber sehr klasse und beweist, dass nicht nur sein Bruder Vincent eine klasse Stimme zu diesen Songs besitzt. Zu „One Last Goodbye“ wechselt Dan ans Keyboard und Vincent übernimmt wieder den Gitarren und Gesangspart. Zu „Angelinia“ und „Sleepless“ kommt dann wieder die gesamte Band auf die Bühne und man zaubert auch wieder die harten Gitarren hervor. So schön „Angelina“ auch auf der neuen CD klingen mag, dieses Lied sowie z.B. auch „Fragile Dreams“ brauchen einfach die elektrische Gitarre um die volle Melodie aufzuzeigen. Diese Songs sind klar für eine E-Gitarre geschrieben worden. Mit „Handsome“ folgt erneut ein neuer Song bevor man dann mit dem eben erwähnten und auf einem ANATHEMA Konzert unverzichtbaren „Fragile Dreams“ einen Klasse Konzert Abend nach 2 Std. beendet. Mir persönlich hat die Songauswahl auf der letzen Tour vor 3 (4?) Jahren besser gefallen, was ältere Fans sicher anders sehen, da ANATHEMA dieses mal deutlich mehr älteres Material gespielt haben und ja mit „Sleeples“ sogar zum Debüt zurückgefunden haben. Auch die Reaktionen zeigten, dass diese Songs nach wie vor gern gehört werden. Das Publikum an sich war, wie ich es bisher eigentlich immer im Colos-Saal erleben durfte, bereit, richtig schön mitzugehen und man merkte einfach dass hier Leute anwesend waren, die Bock auf ein geiles Konzert hatten, das sie auch bekamen. Setlist:
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