Review

ZWISCHEN WELTEN
vom 03.09.05 in Koblenz, Festung Ehrenbreitstein

mit NOCTE OBDUCTA, CHAMBER, JANUS, THE VISION BLEAK und SCHANDMAUL

Die Verpflichtung der beliebten Mittelalter-Rock-Combo SCHANDMAUL locken rund 1600 Besucher nach Koblenz. Die alten Gemäuer der Festung Ehrenbreitstein erweisen sich als wunderschöne, romantische und stilgerechte Kulisse für ein solches Open-Air. Auf dem leicht zur Bühne hin abfallenden Wiesengelände finden allerlei gut besuchte Verkaufsstände Platz. Des Anscheins nach haben die ZwischenWelten-Veranstalter mit einer solch großen Resonanz nicht gerechnet. So kommt das Personal an den beiden Theken mit den Bestellungen und dem Spülen der Trinkbecher nicht nach. An dem Essenstand gibt's, außer der erst beim frühzeitigen Ausverkauf der Speisen sich auflösenden meterlangen Schlange von Wartenden, auch Kost für Vegetarier. Dennoch haben die Betreiber die Sache noch sehr gut im Griff und die Gäste geben sich geduldig.

Aufgrund des langen Soundchecks des Headliners betreten NOCTE OBDUCTA mit einer halbstündigen Verspätung als erste Band des Tages die Bühne. Die Underground-Combo aus Mainz bietet leider nur lahmes Schwarzmetall mit teilweise in deutsch verfassten Texten. Trotz ihres recht unmotivierten Stageacting werden sie von ihren Fans abfeiert.  

Weiter geht's nun mit dem schwarzen Kammerorchester CHAMBER. Die sehr interessante Musik der mit sieben Mitgliedern personell am stärksten besetzte Band lebt von der Kombination aus Streichern, Akustik-Gitarre und dem tiefen variablen Gesang von Marcus Testory und klingt wie ein Mix aus Rock und Irish-Folk. Als Abschluss wagen es CHAMBER "Engel" von RAMMSTEIN zu covern, geben dem im Originalen langweiligen Titel neuen Ausdruck und werden hierfür besonders vom Publikum abgefeiert.

 

 

Eigentlich sind JANUS ein 2-Mann-Projekt, doch live werden Sänger Rig und Keyboarder Tobias Hahn unter anderem auch von CHAMBER Cellistin Katharina Kranich tatkräftig unterstützt. Besonders im Duett mit Diana Nagel Sängerin der lokalen Metalband FAINT OF ENEMY gibt der manchmal psychopathisch wirkende Frontmann sich zwischenzeitlich richtig "böse" und äußerst ausdrucksstark. So wirken die Konzepte und Themen der einzelnen Songs doch sehr überzeugend.

 

Als endlich die atmosphärische Dunkelheit über der Festung einbricht ist die Zeit für großes Horrortheater gekommen. Die Mannen von THE VISION BLEAK, der Formation um Ulf Theodor Schwadorf und Allen B. Konstanz, verstehen es mit Gestik und blas geschminkten Gesichtern das Unheimliche wahrhaftig darzubieten. Damit reißen sie auch das Publikum in ihren Bann und präsentieren ihre neue erst kürzlich erschienene Platte "Carpathia". Nur Schade, dass die Songs wie ein schwacher Abklatsch von frühen MOONSPELL klingen.

 

 

Erst 1999 geboren, doch schon äußerst erfolgreich: SCHANDMAUL haben es geschafft genau im richtigen Moment auf den Mittelalter-Rock-Zug aufzuspringen. Kaum eine andere Band kann in dieser kurzen Zeit eine solche Live-Erfahrung verzeichnen; und dies ist auf der Bühne zu erleben. Souverän und professionell an den modernen sowie mittelalterlichen Instrumenten verstehen es die sechs Musiker dennoch, die fröhlich springen und umherlaufen, den eigenen Spaß weiterzugeben, das Publikum in ihre energiegeladene Show einzubeziehen und zusammen Hits wie "Das Seemannsgrab" oder "Teufelsweib" zum Besten zu geben.  

Wer nach soviel Tanz und Gesang immer noch nicht müde ist, lässt nun den schönen Abend gemütlich bei der Aftershow-Party an einer kleinen Seitenbühne ausklingen ...  

Zu den einzelnen Fotoserien: NOCTE OBDUCTA - CHAMBER - JANUS - THE VISION BLEAK - SCHANDMAUL

(by: Michael Kümmet - 12.09.05; Fotos: Dietmar Schäfer)

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