|
Die
Verpflichtung der beliebten Mittelalter-Rock-Combo SCHANDMAUL locken
rund 1600 Besucher nach Koblenz. Die alten Gemäuer der Festung
Ehrenbreitstein erweisen sich als wunderschöne, romantische und
stilgerechte Kulisse für ein solches Open-Air. Auf dem leicht zur Bühne
hin abfallenden Wiesengelände finden allerlei gut besuchte Verkaufsstände
Platz. Des Anscheins nach haben die ZwischenWelten-Veranstalter mit einer
solch großen Resonanz nicht gerechnet. So kommt das Personal an den beiden
Theken mit den Bestellungen und dem Spülen der Trinkbecher nicht nach. An
dem Essenstand gibt's, außer der erst beim frühzeitigen Ausverkauf der
Speisen sich auflösenden meterlangen Schlange von Wartenden, auch Kost für
Vegetarier. Dennoch haben die Betreiber die Sache noch sehr gut im Griff und
die Gäste geben sich geduldig.
Aufgrund
des langen Soundchecks des Headliners betreten NOCTE OBDUCTA mit
einer halbstündigen Verspätung als erste Band des Tages die Bühne. Die Underground-Combo aus Mainz
bietet leider nur lahmes Schwarzmetall mit teilweise in deutsch verfassten
Texten. Trotz ihres recht unmotivierten Stageacting werden sie von ihren
Fans abfeiert.
Weiter
geht's nun mit dem schwarzen Kammerorchester CHAMBER. Die sehr
interessante Musik der mit sieben Mitgliedern personell am stärksten
besetzte Band lebt von der Kombination aus Streichern, Akustik-Gitarre und
dem tiefen variablen Gesang von Marcus Testory und klingt wie ein Mix aus Rock
und Irish-Folk. Als Abschluss wagen es CHAMBER "Engel"
von RAMMSTEIN zu covern, geben dem im Originalen langweiligen Titel neuen
Ausdruck und werden hierfür besonders vom Publikum abgefeiert.

Eigentlich
sind JANUS ein 2-Mann-Projekt, doch live werden Sänger Rig und
Keyboarder Tobias Hahn unter anderem auch von CHAMBER Cellistin Katharina
Kranich tatkräftig unterstützt. Besonders im Duett mit Diana Nagel Sängerin
der lokalen Metalband FAINT OF ENEMY gibt der manchmal psychopathisch
wirkende Frontmann sich zwischenzeitlich richtig "böse" und äußerst
ausdrucksstark. So wirken die Konzepte und Themen der einzelnen Songs doch
sehr überzeugend.
Als
endlich die atmosphärische Dunkelheit über der Festung einbricht ist die
Zeit für großes Horrortheater gekommen. Die Mannen von THE VISION BLEAK,
der Formation um Ulf Theodor Schwadorf und Allen B. Konstanz, verstehen es
mit Gestik und blas geschminkten Gesichtern das Unheimliche wahrhaftig
darzubieten. Damit reißen sie auch das Publikum in ihren Bann und präsentieren
ihre neue erst kürzlich erschienene Platte "Carpathia".
Nur Schade, dass die Songs wie ein schwacher Abklatsch von frühen MOONSPELL
klingen.
Erst
1999 geboren, doch schon äußerst erfolgreich: SCHANDMAUL haben es
geschafft genau im richtigen Moment auf den Mittelalter-Rock-Zug
aufzuspringen. Kaum eine andere Band kann in dieser kurzen Zeit eine solche
Live-Erfahrung verzeichnen; und dies ist auf der Bühne zu erleben. Souverän
und professionell an den modernen sowie mittelalterlichen Instrumenten
verstehen es die sechs Musiker dennoch, die fröhlich springen und
umherlaufen, den eigenen Spaß weiterzugeben, das Publikum in ihre
energiegeladene Show einzubeziehen und zusammen Hits wie "Das
Seemannsgrab" oder "Teufelsweib" zum
Besten zu geben.
Wer
nach soviel Tanz und Gesang immer noch nicht müde ist, lässt nun den schönen
Abend gemütlich bei der Aftershow-Party an einer kleinen Seitenbühne
ausklingen ...
Zu
den einzelnen Fotoserien: NOCTE
OBDUCTA - CHAMBER
- JANUS
- THE
VISION BLEAK - SCHANDMAUL
(by: Michael
Kümmet - 12.09.05; Fotos: Dietmar Schäfer)
|