Review

ROCK HARD-Festival 2005
am 13.-15.05.05 im Amphitheater Gelsenkirchen

REGCIDE · SUNRIDE · ABANDONES · GIRLSCHOOL

COMMUNIC · HEAVEN SHALL BURN · ENSIFERUM · THE HAUNTED · SAMAEL · SONATA ARCTICA · AMON AMARTH · CHILDREN OF BODOM · JON OLIA

HELLFUELED · WOLF · THRESHOLD · UNLEASHED · PRETTY MAIDS · OVERKILL · SENTENCED · ACCEPT

Ins dritte Jahr geht das Festival, welches eigentlich als einmalige Jubiläumsveranstaltung geplant war. Auch dieses mal sind in der malerisch schönen Kulisse des Amphitheaters Gelsenkirche hochkarätige Bands versammelt. Wie auch letztes Jahr wird den zahlreich erschienenen Metalheads ein umfangreiches Rahmenprogramm geboten. Neben Autogrammstunden etlicher Bands und vielen verschiedenen Ständen, an welchen man für das leibliche Wohl sorgen kann, wird auch ein gut sortierter Metalmarket geboten. Allerdings kostet dieser 2 Euro Eintritt, der Kommerz hat also schon auf dem noch relativ kleinen RockHard-Festival Einzug gefunden. Auch die Getränkepreise sind gestiegen, liegt wohl an der allgemeinen Inflationsrate. Wer parkt, campt und den Metalmarket besucht ist dann insgesamt knapp 20 Euro außer der Reihe los. Aber was macht der Heavy Metal-Fan nicht alles für ein wirklich geiles Pfingstwochenende.

Schon Freitagabend geht's dann mit den ersten Bands los. Auf einer kleinen Seitenbühne geben die norddeutschen Goth-Metaller REGICIDE und die finnischen SUNRIDE, welche sehr modern klingen, ihr Stelldichein. ABANDONED, die Thrashmetal-Band aus Darmstadt, sind Sieger des SIMeVIL Band-Contests und rocken was das Zeug hält. Für den zuspät Kommenden ist nun kein Durchkommen zur Bühne mehr möglich. Beim Freitags-Headliner GIRLSCHOOL, der All-Girl-Band aus London, räumt sich das Feld wieder etwas; trotzdem zählen die Ladies immer noch nicht zum alten Eisen. Und wer jetzt immer noch nicht genug hat, kann sich im Partyzelt zur Metaldisco einfinden. Hier fliegen dann die Haare und es gibt's für jeden Geschmack etwas geboten.

Nach einer kurzen Nacht geht's dann Samstag Mittag weiter. Diesmal auf der Hauptbühne des Amphitheaters. Die Newcomer COMMUNIC eröffnen das eigentliche Festival. Ihr progressiver Metalmix ist für die teilweise noch angeschlagenen Zuschauer doch etwas zu komplizierte Kost. Ihr Debüt "Conspiracy In Mind" wird im Programmheft auf eine Stufe mit "A Social Grace" von PSYCHOTIC WALTZ, dem Erstlingswerk von DREAM THEATER oder gar mit Über-Klassikern von FATES WARNING auf eine Stufe gestellt. Wenn das nicht etwas hochgegriffen ist, sind die Norweger dennoch eine der anspruchsvollsten Bands an diesem Pfingstwochenende. Nun kommen HEAVEN SHALL BURN, ihr stupider Stil schimpft sich Metalcore und hat eigentlich nix auf einem Metal-Festival verloren. Aber einigen Leuten gefällt dies durchaus. Die Wikinger von ENSIFERUM entern nun die Bühne. Mit viel Spielfreude und Kriegsbemalung geht's hier energisch zu Sache. Die Finnen hinterlassen einen bleibenden positiven Eindruck. Jetzt wieder eine Trendband. THE HAUNTED aus Schweden spielen Thrashmetal mit Hardcore-Vocals. Auf der in Kunstnebel gehüllten Bühne nun SAMAEL. Ihr eigenständige und düstere Blackmetal-Mischung mit experimentellen Drumloops und Synthieparts versprüht durchaus einen gewissen Charme. Nachdem die Schweizer das Feld geräumt haben, wird's wieder fröhlicher mit Power-Metal von SONATA ARCTICA, die mit viel Melodie vor allem ihre weiblichen Fans überzeugen. Mit AMON AMARTH ist heute schon die zweite Viking-Band am Start. Ihr hühnenhafter Frontmann Johan Hegg treibt das Publikum schon sehr an. Der Tag scheint den skandinavischen Bands zu gehören. Alexi Laiho von CHILDREN OF BODOM spuckt gelegentlich mal auf die Bühne, flucht zwischen jedem Lied: "The Fucking Fuck, bla, bla, bla ...", spielt in Duett oder abwechselnd mit seinem Keyboarder die Tonleiter rauf und runter. Von besonderer Kreativität ist bei dieser überbewerteten Band nix zu spüren. Endlich JON OLIA, die Metal-Legende, zwar einiges an Kilos zugelegt, aber trotzdem agil, eröffnet die Show mit "Gutter Ballet". Das heisst schon gewonnen. Und es werden noch weitere SAVATAGE-Klassiker vorgetragen, so ziemlich jeder Titeltrack der Scheiben mit dem Mountain King am Mikro. Von seinem Solo-Album trägt der sympathische 3-Zentner-Mann nur wenige Songs vor. Stört aber niemanden, alle wollen sie nur das alte Zeug, und von dem gibt's bis spät in die Nacht genug!

Der Sonntag fängt dann auch nicht schlechter an als der Vortag. HELLFUELED aus Schweden sind wohl ohne Zweifel die Erben Ozzy Osbournes und Zakk Wyldes. Sänger Andy Alkman klingt wie der Madman hinself. Schön, daß auch mal eine Newcomer-Band nicht auf den New Metal-Zug aufspringt. Jetzt sind WOLF mit traditioniellen Metal an der Reihe. Der Tag fängt sogar besser als vorherige an! Nach ihrem Gig auf dem ersten RockHard-Festival, der buchstäblich in Wasser gefallen ist, versuchen die britischen Progger THRESHOLD erneut ihr Glück. Sänger Mac und seine Mannen sind bester Laune, denn die Sonne scheint, und bringen ihr komplexes Songmaterial hervorragend an den Mann. Die dritte schwedische Formation heute sind UNLEASHED. Die Death Metal-Combo aus Stockholm stampft alles gnadenlos nieder. Dann spielen die Dänen PRETTY MAIDS noch ihren Hit "Future World" und alle sind zufrieden. Nun ist die ehemaligen HELLOWEEN-Mannen Roland Grapow und Uli Kusch am Start. Am MASTERPLAN-Mikro hervorragend, der ehemalige ARK-Sänger Jorn Lande schreit sich die Seele aus dem Leib. OVERKILL, die Trasher aus New York, haben ihren Fanclub mitgebracht und zeigen nun allen was Sache ist. Metal-Sixpack Bobby "Blitz" Ellsworth fegt wie eine Furie über die Bühne und sorgt mit seinen Mitstreitern für ein gnadenloses Riffgewitter. Sogar auf den obersten Rängen fliegen die Haare zu "Fuck You" oder "Rotten To The Core". Den Titel "Beste Band des Festivals" wird OVERKILL niemand mehr streitig machen. Melancholischer und düster ging es bei SENTENCED zur Sache. Die Finnen bestreiten, nach über 15 Jahre Bandgeschichte, mit namentlich passendem aktuellen Werk "The Funeral Album" im Rücken, einen ihrer Abschiedsgigs. Auch den Headliner ACCEPT wird man nicht mehr live oder auf kommenden Alben erleben dürfen. Die Mannen um die markante Reibeisenstimme Udo Dirkschneider, diesmal nicht im Tarnanzug, und Gitarrist Wolf Hoffmann rauften sich zu einer Reunion-Show zusammen. Sämtliche Hits werden gespielt, wie unter anderem "Balls To The Walls", "Breaker", "Metal Heart" oder gar "Princess Of The Dawn". Aber nicht nur ACCEPT heizt den gut 6000 Zuschauern ein, auch die Pyros, die massenweise gezündet werden, tragen ihren Teil dazu bei. Geile Band und geile Show. Aufgedreht geht's dann noch ab ins Partyzelt um ein Abschiedsbier zu genießen. Also dann bis nächstes Jahr ...

(by: Michael Kümmet - 24.05.05)

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