Review

Summers End Open Air
am 27.08.05 im JUZ Andernach mit

FOURTYFOURFREAKS · BRAND NEW DEMON · BLIND · LAW · AK4711
H-BLOCKX · DIE HAPPY

Während im letzten Jahr der Heavy Metal die Musikrichtung des Festivals beherrschte, liegt der Schwerpunkt diesmal eindeutig im Bereich (Alternativ-)Rock. So haben die Verantwortlichen des Jugenzentrums Andernach FOURTYFOURFREAKS, BRAND NEW DEMON, BLIND, LAW, AK4711, und als Headliner H-BLOCKX und DIE HAPPY eingeladen.

Eigentlich hätten die Locals CHIEF ROCKAZ den Opener für das diesjährige Endsommerfest machen sollen. Doch leider hatten sich die Band und Sänger kurz zuvor getrennt, so dass der Gig abgesagt werden musste. Als Ersatz springen hier die FORTYFOURFREAKS ein.

Obwohl das Wetter vor wenigen Tagen noch nach Herbst ausgesehen hatte, hat der Sommer an diesem letzten Samstag im August gerade noch mal die Kurve gekriegt. Aber trotzdem sind die Besucherzahlen zu Beginn des Festivaltages eher spärlich. Vielleicht mal 200 Musikfans verlieren sich beim Auftritt der in der Region ziemlich unbekannten FOURTYFOURFREAKS auf dem Festivalgelände. Die Allgäuer Band überzeugt dennoch mit einem gelungenen Mix aus Rock und Metal-Elementen. Sie haben es aber trotzdem sehr schwer zu früher Stunde die Leute aus der Reserve zu locken.

Schon etwas leichter haben es die Jungs von BRAND NEW DEMON, die jedoch ohne Keyboard und mit neuem Mann am Bass auf die Bühne kommen. Die Alternative-Rocker aus Koblenz bieten eine überzeugende Performance und spielen überwiegend aus dem aktuellen Album „Unburnt Bridges“. Zur Überraschung wird „New Faith“ mit deutscher Lyric als „Neuer Glaube“ präsentiert – zwar ungewöhnlich, aber nicht schlecht. Insgesamt schaffen es BRAND NEW DEMON ihren musikalischen Streifzug mit bretthartem Sound und sanften Melodien zu kombinieren und in eingängige Melodien zu betten. Als wichtiger Baustein kristallisiert sich hierbei die charaktervolle Stimme von Sänger Daniel Dötsch heraus.

Weiter geht es im Programm mit BLIND, die Local Heros mit weit überregionalem Bekanntheitsgrad. Und da wird erwartungsgemäß fett gerockt. Die musikalischen Knüppel werden von Sänger Steve z. T. mit voller Gewalt unter die Leute geprügelt. Mit größter Leidenschaft und jede Menge Emotionen bearbeitet Schlagwerker Gunnar seine Drums, während Guido am Bass und Fabian mit der Gitarre einen satten Sound zwischen Crossover und Alternative-Rock liefern. Und wenn Steve vor lauter Enthusiasmus mal wieder den nächsten Song vergisst, helfen ihm seine Bandkollegen gerne weiter. Zwischendurch gönnt sich der Sänger eine kleine Pause und überlässt einem Fan das Mikro; und dieser macht seine Sache ausgesprochen gut. Zwar ist der Zuschauerbereich schon etwas voller geworden, weist aber immer noch große Lücken auf; da kann keine Atmosphäre aufkommen und so will der Funke auch nicht so richtig überspringen. Da ist BLIND sicher mehr gewohnt.

Zwar kann LAW aus Rheinhausen bereits auf eine langjährige Musik- und Live-Erfahrung zurückgreifen; doch wurden bislang erst zwei Alben des Quartetts veröffentlicht. So geht der musikalische Streifzug durch das aktuelle Album „In My Head“ und den 2002er Vorgänger „Life After Weekend“ (hiervon leitet sich auch der Bandnahme LAW ab). Die Songs werden mit LAW wieder etwas ruhiger, bedienen aber weiterhin die rockige Gesamtlinie des Tages. LAW überzeugen dabei an diesem frühen Festivalabend mit eingängigen Songs mit Hit-Potential; dennoch hätte ich mir persönlich musikalisch mehr Ecken und Kanten gewünscht.

Mit AK4711 kommt eine Band auf die Bühne deren Namen ich zwar schon mal hörte, jedoch keine Ahnung hatte, was da kommen würde. Umso überraschter bin ich, als nach und nach vier Mädels auf die Bühne kommen. Dass hier der Spaß im Vordergrund stehen würde, ist schon beim Soundcheck klar; mit ihrer Berliner Schnauze, Witz und Charme unterhält Frontfrau Anja bereits die Zuschauer und überbrückt das unfreiwillige Warten auf beiden Seiten. „AK4711 ist eine Frauenband, die es so noch nie gegeben hat, doch wenn man darüber nachdenkt, es längst hätte geben müssen“ – so heißt es im Bandinfo von AK4711. Und das sehe ich genauso! Frisch, frech und ein bisschen rockig mit deutlichen Pop-Anleihen werden ausnahmslos deutsche Texte unters Volk gebracht. Den Originalitätspreis haben die Vier bereits jetzt gewonnen. Musikalisch vielleicht nicht ganz zum Thema des Tages passend, sind AK4711 aber dennoch irgendwie eine abwechslungsreiche und gelungene Bereicherung des Festivals.

Jetzt wird es wieder ernst. Die Beine zittern wie bei einem Wildpferd, das auf seine Freilassung wartet. Es ist Zeit für die H-BLOCKX. Henning und seine Mannen, die im letzten Jahr bei Rock am Ring nach einem Durchhänger und personeller Neubesetzung ein gelungenes Comeback feiern konnten, stürmen auf die Bühne – und das nun schon zum sagenhaften eintausenddreihundertdreiunddreißigsten Male! Zwischenzeitlich ist die Zuschauermenge auch deutlich angewachsen; vor der Bühne ist der Platz jetzt eng. Nun ist auch die Zeit der Crowd-Surfer gekommen und die Security bekommt Arbeit. Ein Rock-Feuerwerk nach dem anderen wird gezündet. Aber auch für die Coverversion von „Celebrate Youth“ von Rick Springfield ist sich die Band nicht zu schade. Allerdings hat der Song bei H-BLOCKX etwas mehr 'Bums'; und das ist auch gut so. Doch auch ruhige Songs kommen zum Einsatz. Mit „Little Girl“ verrät Henning, dass er diesen Song vor einigen Jahren für Marta von DIE HAPPY geschrieben hat. Das Publikum übernimmt begierig den Refrain. Mit „Risin’ High“ und dem Zugaben-Song „Ring of Fire“ wird noch mal richtig aufgedreht bevor die Show zu Ende geht.

Mit DIE HAPPY kommt zum Abschluss des 'Summers End Open Air' der zweite Headliner des Tages auf die Bühne. Nach einem kurzen Intro geht es mit „Supersonic Speed“ gleich zur Sache. Im Mittelpunkt steht wie immer die attraktive und stimmgewaltige Sängerin Marta, die wie ein kleiner Wirbelwind über die Bühne fegt. Von (fast) allen DIE HAPPY-Alben werden einige Songs gespielt. Auch vom brandneuen Werk „Bitter to Better“ bekommen die Fans „Big Big Trouble“ und „Blood Cell Traffic Jam“ geboten. Auf dumme und überflüssige Machosprüche, wie sie immer wieder versteckt aus dem Publikum kommen, weiß Marta auch die passende Antwort. Nach „Leaving You“ werden ein paar Takte von „Killing in the Name“ von RAGE AGAINST THE MACHINE angespielt – hey :-)  bevor es dann doch mit „Like a Flower“ weitergeht. Aus „Not that kind of girl“ wird zumindest zu Beginn des Songs überraschender Weise eine HipHop-Version. Hallo, geht’s noch?! Die Fans können damit auch wenig anfangen. Die Setlist ist mit insgesamt 17 Powersongs wieder sehr lang und so dauert es eine Weile, bis alle Songs von DIE HAPPY und den Fans abgefeiert sind. Mit „Goodbye“ verabschiedet sich das Quartett von der Bühne des JUZ in Andernach.

(by: Dietmar Schäfer - 31.08.05)

Zu den einzelnen Fotoserien -> BRAND NEW DEMON · BLIND · LAW · AK4711
H-BLOCKX · DIE HAPPY

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