Review

JAMES LA BRIE
Support: EVERGREY
am 02.05.05 in Aschaffenburg, Colos Saal

Der letzte Termin der kurzen Solo-Tour des DREAM THEATER-Sängers JAMES LA BRIE sollte ein Besonderer werden. Als Support-Act sind die mächtigen EVERGREY am Start. Mit dem viel versprechenden und starken Live-Album "A Night To Remember" im Rücken legen die Jungs um Sänger und Gitarrist Tom Englund mit "Blinded" los. Da schätzungsweise jeder zweite Zuschauer mit einem DREAM THEATER-Shirts bekleidet ist, haben die in diesen DT-Fan-Kreisen relativ unbekannten sympathischen Schweden einen schweren Stand. Auch ein extrem schlechter PA-Sound trägt noch seinen Teil dazu bei. Doch mit unermüdlicher Spielfreude und Agilität kann diese geile Band schnell einen Großteil des Publikums auf ihre Seite gewinnen. Knapp eine dreiviertel Stunde werden Kracher wie "Recreation Day" und "More Than Ever" oder Balladen wie "I'm Sorry" gespielt, um sich dann mit dem Hit "Masterplan" zu verabschieden.

JAMES LA BRIE und seine aus hochkarätigen Musikern bestehende Tourband lassen dann auch nicht lange auf sich warten. Schon beim ersten Stück "Crucify" merkt man weshalb die meisten Leute hier sind; doch so richtig geht die Post vor und auf der Bühne nicht ab. Der italienische Gitarren-Shootingstar Marco Sfogli wirkt etwas plump, aber sein Gitarrenspiel stellt bislang alles in den Schatten. Schlagzeuger John Macaluso, der auch bei Yngwie Malmsteen und unzähligen anderen Bands hinter den Fellen sitzt, ist nicht nur bei seinem Drumsolo sensationell gut. Matt Guillory von DALI'S DILEMMA bedient gekonnt die Keyboardburg. Am 5-Saiter etwas schüchtern wirkend, sich auf sein Griffbrett konzentrierende AGHORA-Bassist Andy DeLuca, der schon 1998 SYMPHONY X auf ihrer Amerika- und Europa-Tour aushalf, beherrscht sein Instrument tadellos; er slappt und tappt sich durch die einzelnen Songs. Nur der stimmgewaltige Kanadier alleine bringt Bewegung auf die Bühne.

Der Sound ist um Längen besser als bei EVERGREY und kristallklar. Wirklich Schade, denn technisch wäre dies bei der Support-Band auch möglich gewesen. Es werden außer einigen MULLMUZZLER-Songs, fast alle Stücke von "Element Of Persuasion" vorgetragen. Die EVERGREY-Leute sind irgendwann auch wieder zu Stelle, als sie zur Belustigung sämtlicher Beteiligten sich fast nackt, teilweise nur mit einen Strumpf begleidet oder mittels Klebeband und Seiten aus einem speziellen Männer-Magazin ihre Blöße bedeckend, auf der Bühne präsentieren. Der DREAM THEATER-Frontmann kann dies kaum fassen. Der hohe Alkoholkonsum der Schweden, die fast den kompletten Gig des Headliner im Publikum für Stimmung sorgen, forderte wohl seinen Tribut. Als dann noch Henrik Danhage von EVERGREY die Bühne entert, bangt, schließlich 'stagedived', aber nicht besonders weit kommt, taut auch Bassist Andy DeLuca auf und präsentiert sein beeindruckende Haarpracht.

Etwas mehr schwedisches Blut würde der Band von James LaBrie schon gut tun. Doch wer braucht das, wenn man mit EVERGREY, die den Abschluss dieser sehenswerten Tournee feucht fröhlich feierten und für Unterhaltung sorgen, unterwegs ist.

(by Michael Kümmet - 05.05.05)

Setlist JAMES LA BRIE:

  • Crucify

  • Alone

  • Oblivious

  • Venice Burning

  • ConfrontingTthe Devil

  • Slightly Out Of Reach

  • Undecided

  • Pretender

  • Falling

  • Drained

  • Lost

  • Listening

  • Shores Of Avalon

  • Drum Solo

  • Save Me

  • Freak

  • A Simple Man
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  • Stranger

  • In Too Deep

  • Invisible

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