Review

EARTHSHAKER-FEST 
am 22.-23.07.05 in Geiselwind

TURISAS · FINNTROLL · POWERGOD & GUESTS · HOLY HELL · JUSTICE

DRAGONLORD · CAGE · DRAGONLORD · CAGE · DRAGONLORD · CAGESYMPHORCE · GRAVEWORM · EVIDENCE ONE · EXILIA · APOKALYPTISCHE REITER · LOUDNESS · GRAVE DIGGER · MERCENERY · CHILDREN OF BODOM · MACHINE MEN · RHAPSODY · FORCE OF EVIL · NIGHTWISH

· ABANDONED · HAEMATOM· ABANDONED · HAEMATOMBLUDGEON · AFTER FOREVER · DISBELIEF · DESTRUCTION · PRIMAL FEAR · MASTERPLAN · HYPOCRISY · J.B.O. · DIMMU BORGIR · STORMWARRIOR · MANOWAR

Um die Erde beben zu lassen, trifft sich die Heavy Metal-Fraktion aus dem In- und Ausland im fränkischen Geiselwind. Dieses Jahr wartet das Earthshaker Fest mit hochkarätigen Stars wie MANOWAR oder NIGHTWISH, sowie den Blackmetallern DIMMU BORGIR auf, welche für die leider ausgefallenen TESTAMENT eingesprungen sind.

Die Anreise am Donnerstag verläuft ziemlich problemlos, bis man bei der Auffahrt zum Campingplatz feststellen muss, dass die Parkeinweiser und Ordner kaum mit diesem Job vertraut sind und für das Parkticket, sowie für das Campingticket jeweils 12,50 Euro verlangen, obwohl auf der offiziellen Earthshaker-Homepage von 10 Euro die Rede war. Zum großen Teil ist es nicht möglich, neben dem eigenen Fahrzeug zu zelten. Zeltplatz und Parkplatz sind getrennt! Dementsprechend ist die FAQ-Aussage auf der offiziellen Homepage: "Ja, Ihr dürft mit dem Auto auf den Campingplatz fahren und je nach Platzangebot in unmittelbarer Nähe Eueres Zeltes parken", als Werbegag zu verstehen. Die Wege zu den nur zentral platzierten blauen Dixie-WCs sind recht weit und es gibt keinerlei Wasserstellen. Wer Pech hat muss zur Körperpflege die Sieben-Meilen-Stiefel auspacken, da die Münz-Duschen für die meisten Camper kilometerweit entfernt sind. Auf anderen großen Festivals ist dies trotz günstigeren Campingpreisen wesentlich besser und einfacher geregelt. Eventuell sollte man sich hier mal ein paar Anregungen holen!

Also nix wie los zum Festivalgelände! Der Weg ist zwar weit, doch fährt tagsüber eine winzige Touristenbahn, die völlig überfüllt zur Attraktion der Festivalbesucher wird. Manche machen es sich sogar auf dem Dach gemütlich; doch bei kleinen Steigungen müssen ein paar Leute aussteigen um das Gefährt anzuschieben.

An der geräumigen und wirklich sehr schönen Eventhalle angekommen, welche direkt an das Festivalgelände angrenzt, wartet man auf den Einlass, da schon am Donnerstag Abend ein großer Ansturm herrscht. Zur Warm-Up-Show spielen unter anderem TURISAS und FINNTROLL, sowie LOUDNESS aus Japan, die dieses Wochenende in Geiselwind gleich zweimal eine klasse Performance bieten. Auch sind POWERGOD mit einer coolen Cover-Show, die mit diversen Gastmusikern bestritten wird, am Start. Dabei sind beispielsweise Rodrigo Gonzales von den ÄRZTEN und Schmier von DESTRUCTION. Der Sound in der Eventhalle ist zwar an allen drei Tagen nicht gerade der Beste, aber dafür ist hier die Stimmung meist auf dem Höhepunkt.

Ebenso direkt neben dem Festivalgelände gibt es eine große Tankstelle, ein Burger King-, sowie ein McDonalds-Restaurant. Wer also den teuren Preisen für die feste und flüssige Verpflegung auf dem Earthshaker-Ground ausweichen möchte, findet hier eine günstigere Alternative, die auch von zahlreichen Metalheads fast rund um die Uhr genutzt wird.

Auch die Music-Hall, wo die "1st International Mega MANOWAR Fanconvention" stattfindet, befindet sich ebenfalls in unmittelbarer Nähe des Veranstaltungsgelände und ist somit gut zu erreichen. Für satte 50 Euro (in Worten: fünfzig Euro) zusätzlich bekommt man hier Einlass. Es sind Fans und Fanclubs aus aller Welt angereist. Doch die Attraktionen, die hier geboten werden, rechtfertigen den stattlichen Eintrittspreis in keinster Weise. Unter anderen gibt es ein MANOWAR-Quiz, ein "Beerdrinking in Joey's Style"-Contest, Armwrestling und ein "Longest Eric Scream"-Contest. Die Teilnehmer dieser Wettbewerbe werden von den Animateuren teilweise verhöhnt, was sich als sehr peinlich für die Betreiber dieser Fanconvention herausstellt. Auch die Sicherheitskräfte vom B.u.M.-Security-Service, erweisen sich als äußerst unfreundlich. Hier ist wahrscheinlich der Firmenname Programm. Security-Mitarbeiter des Monats Stefan Hück macht diesem Motto in rüder Art alle Ehre und zeigt sich als besonders einsatzfreudig. Glücklicherweise sind diese Mannen auf dem Festivalgelände selbst nicht anzutreffen. Der Fan, der trotz dieser Umstände, dennoch auf die Meets and Greets mit den Bandmitgliedern wartet und vielleicht auf ein Foto mit seinen Göttern hofft, wird leider enttäuscht. Denn diese Attraktion wurde aus nicht genannten Gründen abgesagt. Schade! Das Ausleben der Brothers-Of-Metal-Einstellung ist hier auf Strecke geblieben.

Auch der Wettergott hat es nicht besonders gut gemeint und bescherte den kompletten Freitag Vormittag Regen. Doch beeindruckte das Andy B. Franck und seine Mannen nicht - SYMPHORCE lieferten einen hervorragenden Opening-Gig. Das schon früh anwesende, im Schlamm und Matsch versinkende Publikum würdigte dies mit heftigem Applaus. Des Weiteren spielen die üblichen festivalerprobten Formationen, wie GRAVE DIGGER, DIE APOKALYPTISCHEN REITER oder CHILDREN OF BODOM souverän ihren Set. Rotzlöffel Alexi Laiho, Frontmann der letztgenannten Combo, vergreift sich mal wieder in der Wortwahl und die Bühne muss nach seinem Auftritt erstmal mit dem Wischmop gewienert werden, so dass RHAPSODY ihre ansprechend aufgemachte Bühnenausstattung aufbauen können. Die italienischen Powermetaller lassen die Gitarren und gelegentlich auch mal die Pyros knallen. Doch die angekündigte Live-Performance von Horror-Star und Herr Der Ringe-Darsteller Christopher Lee entpuppte sich als Fake und wurde als Videoansprache auf die Leinwand projiziert. Große Überraschungen gibt es somit auf der Festival-Bühne nicht. 

Doch in der Eventhalle tummeln sich die geileren Acts. FORCE OF EVIL machen keine Gefangenen. Die Band, die bis auf ihren recht jungen stimmgewaltigen Sänger Martin Steene komplett aus MERCYFUL FATE und KING DIAMOND-Mitglieder besteht, wissen wie sie die Metalheads begeistern. Und als FORCE OF EVIL ihren Gig mit dem MERCYFUL FATE-Klassiker "Evil" ausklingen lassen, rasten die Banger in den ersten Reihen völlig aus. Dieser Hammer-Band ist wohlmöglich die beste Wahl an diesem Wochenende!

NIGHTWISH, der Headliner auf der Hauptstage, spielen routiniert wie eh und je. Sängerin Tarja beweist erneut eindrucksvoll, dass sie einer der besten Stimmen in der Szene besitzt und so wird die etwas dürftige Lightshow zur Nebensächlichkeit.

Am Samstag Vormittag kommt nun die Sonne zum Vorschein und es stellt sich endlich Festivalstimmung ein. Die Besucher, welche auf BLUDGEON warteen, müssen allerdings feststellen, dass das Programm um 45 Minuten vorgezogen wurde und die Thrasher nun gegen Abend in der Halle spielen sollen. Also starteten AFTER FOREVER aus den Niederlanden den Tag. Sängerin Floor Jansen braucht sich wahrlich nicht hinter der NIGHTWISH-Frontfrau verstecken. Ihr Stimmspektrum ist äußerst gewaltig, so rockt die IRON MAIDEN-Coverversion "The Evil That Man Do" wie die Hölle. Jetzt fragt man sich natürlich: "Warum wurde das Programm vorgezogen?". Denn durch diese Maßnahme verpassen nun viele Leute diverse Auftritte ihrer Heroes. Die Antwort ist ganz einfach und kommt aus dem Kings of Metal-Lager. MANOWAR braucht, wegen ihren nervigen Ansprachen, eine Stunde mehr Spielzeit. Doch die Qualität der folgenden Bands lässt dieses kleine Ärgernis schnell vergessen. Die Routiniers PRIMAL FEAR, MASTERPLAN, DESTRUCTION und HYPOCRISY lassen kein Auge trocken. Nur die seit Jahren gleichen Songankündigungen der Lokalmatadore J.B.O. haben ihren Charme verloren. Hier ist der lokale Musikverein, welcher im Trachtenoutfit zwischen den Umbaupausen gegenüber der Hauptbühne Blasmusik zelebriert, noch origineller. Standesgemäß treffen sich zu dieser Dicke-Backen-Musik immer wieder einige Headbanger und beweisen, dass auch mit nur 6 Zuschauern Crowdsurfen möglich ist.

Nachdem am Samstagabend die Kommerz-Blackmetaller und an den Instrumenten technisch brillianten DIMMU BORGIR ihre wirklich gute Show abgezogen haben, gibt's in der Eventhalle Oldschool-Heavy Metal von STORMWARRIOR. Special Guest Kai Hansen gibt jetzt uralte HELLOWEEN-Klassiker zum Besten. Titel wie "Judas", "Heavy Metal Is The Law" oder "Victim Of Fate" sprechen für sich.

Auf MANOWAR haben sich die meisten der Zuschauer gefreut. Das Gelände ist nun zweigeteilt. Der Zugang, vor den etwa 15 Meter vor der Bühne platzierten Wellenbrechern, ist mittlerweile nur noch Besitzern des überteuerten Mega Fanconvention-Einlassbändchens gestattet. Demzufolge müssen sich Ottonormal-Festivalbesucher, die kein Geld für diese Fanverarsche ausgeben wollten, sich mit den hinteren Reihen begnügen. Trotzdem hat sich das Warten gelohnt. MANOWAR zeigt allen Zweiflern wer die wahren Kings Of Metal sind. Mit "Manowar" den Gig beginnend, gibt's aus allen Schaffensphasen geile Songs zu hören. Zu allem Glück entern nach und nach die vier ehemaligen Metalkings David Shankle, Ross The Boss, Rhino und Donnie Hamzik die Stage und stellen Stücke aus der jeweiligen Band-Ära vor. Die Jungs haben das Rocken und Posen nicht verlernt. Auch Joey DeMaio hat dies nicht und hält lange unnötige Reden. Die Laudatio auf den "true heavy metal" und die "true metal brothers", sowie "the fucking rest of the world" wirken doch sehr albern. Außerdem lüftet er das Geheimnis des Biertrinkens in "Joey's Style": Man duscht einfach unter einer offenen Bierdose, darf dabei aber nichts trinken. Bei einen Fußballspiel würde man von Spielverzögerung reden und die gelbe Karte zücken, denn diese ganzen überflüssigen Showeinlagen stehlen die eigentliche Spielzeit. Denn MANOWAR haben nun mal eine Menge verdammt guter Songs drauf, die gespielt werden wollen. Zur Zugabe "Battle Hymns" versammeln sich alle acht Metalkings an ihren Instrumenten und ziehen unter heftigem Gepose auch diesen Song erheblich in die Länge. Dennoch war die Performance mit den drei Drumkits und den drei Leadgitarristen schon sehr beeindruckend.

Nach einem großen Abschlussfeuerwerk geht es wieder in die Eventhalle. Das Earthshaker-Fest, das doch einige organisatorische Mängel aufwies, sich im Großen und Ganzen aber als recht schönes Metal-Wochenende präsentierte, geht nach drei Tagen mit ABANDONED und HAEMATOM zu Ende. Die sympathischen Oldschool-Thrasher aus Darmstadt sind ein echter Geheimtipp und rocken alles in Grund und Boden, während sich HAEMATOM mit ihren Cover-Versionen von Kinderliedern, wie "Häschen in der Grube" oder "Es rappelt in der Kiste", noch peinlicher als ihr Bandname geben.

(by: Michael Kümmet - 28.07.05)

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