|
BANG YOUR
HEAD |
|
Das
Motto des zehnten und schon frühzeitig ausverkauften BANG YOUR HEAD-Festivals
lautet: "The Best of 10 years!". Damit dieses Wochenende unvergesslich
wird, sind zahlreiche hochkarätige Bands aus 10 Jahren Festivalgeschichte
angereist. Auch ein Very-Special-Guest wird erwartet. Zu diesem Anlaaa wurden auf dem diesjährigen Festival-Shirt im Kreuzworträtsel-Stil sämtliche Bands, welche jemals auf dem BYH spielten, aufgeführt - außer den legendären WATCHTOWER, die 2000 einen phantastischen Comeback-Gig in Balingen absolvierten. Auch sollte dies angeblich das letzte BANG YOUR HEAD sein. Ob das Gerücht nur aus werbetechnischen Gründen in die Welt gesetzt wurde, wird wohl keiner außer den Beteiligten selbst jemals erfahren. Trotzdem stellte sich eine ganze Stadt auf die in Massen anströmenden Metalheads ein. So ist das nahe gelegene Freibad mit Festivalbändchen zum Sondertarif von 1 Euro nutzbar und der benachbarte Real-Markt stockte seine Getränkereserven auf. Das
gut ausgestattete Camping-Areal wurde offiziell Donnerstag mittags eröffnet.
Trotz etwas chaotischer Verkehrsführung ist schnell ein geeigneter
Rastplatz gefunden. Zu spät kommende Festivalbesucher müssen sich wohl
oder übel auf einen mit Sieben-Meilen-Stiefel erreichbaren Campingplatz
begnügen. Die aus diesem Grunde eingesetzten Shuttlebusse waren leider völlig
überfüllt und nicht in ausreichender Menge vorhanden, um die riesigen
Mengen an Camper zu befördern. Doch
wer lässt sich schon die gute Laune verderben? Schon am Donnerstag Abend
war das Partyzelt eröffnet oder man konnte sich zum Warm Up-Gig im
nahegelegenen WOM treffen, um sich das eine oder andere kühle Bierchen zu
genehmigen, denn es sollte ein heißes Wochenende mit einigen Überraschungen
werden. Ein wahrlich mächtiger Opener am Freitagmorgen sind MORGANA LEFAY. Schon zur frühen Stunde begeisterten die Schweden das Publikum und rocken mit alten und neuen Stücken alles in Grund und Boden. Schön, dass sich diese begnadete Bands wieder zusammenraufte! Und weiter geht's mit EXCITER. Die kanadischen Kult-Trasher stehen MORGANA LEFAY in nichts nach und sorgen für Kurzweil unter den Besuchern. VIRGIN STEELE mußten wegen einer schweren Erkrankung ihres Frontmannes David DeFeis absagen Als mindestens gleichwertiger Ersatz springen die US-Melodic-Metaller KAMELOT ein, die mit ihrem starken aktuellen Album "The Black Halo" ausschließlich gute Resonanzen ernteten und auch beste Bühnenperformance abliefern. Und jetzt gibt es Hardrock von der feinsten Sorte. Die Schweizer KROKUS sind mit altem Sänger Marc Storace zurück, der sich wohl heute noch in den Allerwertesten beißt, weil er damals nicht bei AC/DC eingestiegen ist. Als nächstes ist Pizzabäcker Schmier am Start. Bei DESTRUCTION räkeln sich zu Hits, wie "Mad Butcher" oder "The Butcher Strikes Back" weibliche Schönheiten auf der Bühne. Das Auge "isst" schließlich mit. Aus dem hohen Norden nun die überbewerteten AMON AMARTH. Die Mannen um Hüne Johan Hegg verstehen ihr Handwerk und lassen ordentlich Viking-Feeling aufkommen. Nun kommt Metal-Queen DORO Pesch! Die alten WARLOCK-Stücke knallen gewaltig, wie auch das neue Material ihres aktuellen und kommerziellen Album "Classic Diamonds". Nur das lahme "Breaking The Law"-Cover ist äußerst peinlich. U.D.O. sind als nächstes an der Reihe. Udo Dirkschneider und Stefan Kaufmann haben einige ACCEPT-Klassiker im Gepäck, so dass Partylaune vorprogrammiert ist. Jetzt schon wieder ein alter Bekannter. Kai Hansen, in jungen Jahren HELLOWEEN-Frontmann, und seine Jungs von GAMMA RAY zeigen dem Publkum was guter Powermetal ist. Über den Co-Headliner SAXON braucht man eigentlich kein Wort mehr zu verlieren. Die Mitbegründer des NWOBHM zeigen sich spielfreudig und agil wie eh und je und präsentieren alte, sowie neue Hits aus ihren unerschöpflichen Repertoire - eine wirklich verdammt geile Liveband, zu der viele Matten kreisen. Schon fast eine lebende Legende ist Mr. Lemmy Kilmister von MOTÖRHEAD. Er und seine Mitstreiter zelebrieren den Rock'n'Roll von seiner lautesten und dreckigsten Sorte. Bei "Ace Of Spades", "Metropolis" oder "Overkill" bleibt kein Auge trocken. Wer jetzt noch nicht müde ist, trifft sich im Partyzelt oder feiert bis in die Morgenstunden auf dem Campingplatz weiter. Doch in dieser Nacht wird das Fest jäh unterbrochen. Ein Orkan, der außer walnußgroßen Hagelkörnern eine Unmenge von Wasser mitbringt, fegt über Balingen, entwurzelt Bäume, Pavillons und Zelte. So werden vom Roten Kreuz Notunterkünfte bereitgestellt. Man spricht von 400 Evakuierten und 40 Verletzten. Jetzt heißt es kurzfristig improvisieren, um einen nicht allzu langen Schadensbericht vorzulegen. Auch die Bühne bleibt nicht unberührt. Es wird am nächsten Morgen mit Hochtouren an der zerstörten Technik gearbeitet. 4 Stunden nach eigentlichem Beginn kann es mit verkürzten Sets und blitzschnellen Umbauphasen, um die geplante Zeit einzuhalten, endlich weitergehen. Glücklicherweise muss keine Band ausfallen. Also bringen DEMON mit einen 3-Songs starken Best-Of-Durchlauf, der mit "Don't Break The Circle" seinen Höhepunkt findet. Auch VICOUS RUMORS spielen nicht länger. Wrestler Nasty Ronnie sollte besser mal abspecken und das Singen sein lassen, denn er kann es nicht. Folglich sind nur Hartgesottene betrübt über die kurze Spielzeit von NASTY SAVAGE. Zwar spielen JAG PANZER auch nur drei Stücke, doch diese überzeugen auf ganzer Linie. Frontmann Harry "Tyrant" Conklin, das krasse Gegenteil des Wrestlers ist präzise und stimmgewaltig. Aufgrund der kurzen Spielzeit muss man auf "Chain Of Command" und "Shadow Thief" verzichten; doch ist "Iron Eagle" auch eine angemessene Belohnung für die Metalheadz. Jetzt noch schnell ein kühles Spacebeer genehmigt, bevor TANKARD die Bühne betreten. Die Frankfurter Ur-Thrasher verbreiten eine Gute-Laune-Stimmung, die ihres Gleichen sucht, welche kurz danach von den US-Metallern NEVERMORE zunichte gemacht wird. Die melancholischen Stücke der gut gelaunten Jungs aus Seattle schlagen ein, wie eine Granate. Des kurzen Sets zum Trotze werden Balladen wie "The Heart Collector" und Thrash-Metal-Knaller, wie das Simon & Garfunkel-Cover "The Sound Of Silence" dargeboten. Die deutsche Hardrock-Ikone AXEL RUDI PELL ist nun am Start, der so manchen Hit aus seiner 10-Studioalben-starken Collection zaubert. Souverän und musicalerfahren gibt Ex-SKID ROW-Röhre Sebastian Bach Titel wie "18 And Life", "Monkey Business" oder "Youth Gone Wild" zum Besten - wahrlich einer der Höhepunkte dieses Festivals. Wieder im regulären Zeitplan angekommen, ist nun Bangen in Zeitlupe angesagt. Die reformierten Doomgötter CANDLEMASS, um Sänger Messiah Marcolin standesgemäß in Mönchskutte und Bassist Band Leif Edling, präsentieren ihre neue Platte und stimmen zum Auftakt "Black Dwarf" an. Auch die alten Klassiker, wie beispielweise "Solitude" kommen bei dem euphorischen, den Doom tanzenden Publikum bestens an. Nun ist es soweit, der Very-Special-Guest ist an der Reihe. Die Überraschung ist groß, als die finnischen HANOI ROCKS die Bühne betreten. Sänger Michael Monroe, im clownähnlichen Kostüm, wird sofort von einigen enttäuschten Metalheads zielgenau mit Getränkebecher-Geschossen attackiert, doch dieser zieht unbeirrt seine Show ab, während der Großteil der Zuschauer das Weite sucht. Mehr Glück hat WHITE LION-Frontmann Mike Tramp, der als zweiter Überraschungsgast, anlässlich der geplatzten Reunion mit neuer Besetzung die alten Songs vorträgt. Die zweite Legende dieses Festival ist ganz ohne Zweifel Ronnie James DIO, der kleine Mann mit der großen Stimme, die trotz jahrzehntelanger Großtaten noch klingt wie zu seinen erfolgreichsten Zeiten. Jetzt kommen Kracher wie "Holy Diver" oder "The Last In Line", sowie die typischen RAINBOW und BLACK SABBATH-Titel an der Mann und die Mob tobt. Als Headliner haben TWISTED SISTER definitiv zu wenig Songs, da hilft es auch nicht weiter den Albenklassiker "Stay Hungry" unnötiger- und kommerzgeilerweise neu einzuspielen. Doch die Performance der wenigen, aber feinen Stücke lässt, bis auf einen, keine Wünsche offen. Dee Snider sollte doch zwischen den einzelnen Stücken diese belanglosen, lästigen, geistlosen und viel zu langen "Sick Motherfucker"-Ansagen auf ein Minimum reduzieren, so bleibt mehr Zeit für das Eigentliche, nämlich den Heavy Metal, von dem es an diesem Wochenende nur das Beste aus 10 Jahren Bang Your Head-Geschichte gab. Also bis nächstes Jahr! (by:
Michael Kümmet - 26.08.05) |
|
zurück
zur Review-Übersicht |